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Me and the Electrons

Ich habe mir ein Elektroauto gekauft und bin begeistert

Sid Schwab
May 9, 2014

Ich habe etwas getan, das so wenig zu mir passt, dass ich es immer noch nicht ganz glauben kann. Ich habe mir ein Tesla Model S mit ausschließlich elektrischem Antrieb gekauft. Ich. Der Jeans trägt. Und sie nur im Angebot kauft. Das Gleiche gilt für meine Hemden, die ich im Schlussverkauf bei 40 Prozent Rabatt kaufe. Ich stopfe meine Socken. Das erste Auto, das ich mir je kaufte, hatte ich 20 Jahre lang. Den Motor erneuerte ich nach 300.000 km und am Ende lackierte ich es um und spendete es bei einer gemeinnützigen Auktion. Mein letztes Auto war ein Gebrauchtwagen und ich fuhr es fast 20 Jahre. Zu den ursprünglich 30.000 km auf dem Kilometerzähler packte ich noch einmal 380.000 km drauf. Das Auto meiner Frau brachte vor Kurzem den 160.000sten km hinter sich.

Vor einigen Jahren holte ich mir einen gebrauchten 87er Jaguar XJ-6, Vanden Plas, aus dem letzten Jahr, in dem die Briten noch das schönste Auto mit Stil herstellten. Er kostete weniger als ein neuer Honda, aber nach zwei Tagen gab ich ihn zurück. Warum? Weil ich mich nicht wie ein reicher Arzt aufführen wollte, der mit seinem schicken Auto angibt. Während der paar Stunden habe ich es allerdings geliebt.

Langsam machte sich das Alter meiner Karre bemerkbar und ich begann mich nach einer Alternative umzusehen. BMWs haben mir schon immer gefallen (dieses erste Auto war ein 72er 1600), vor allem die M-Modelle, mir war jedoch klar, dass ich nie so viel für ein Auto ausgeben würde. Ich hatte mich schon fast für den Mazda 3 entschieden, eines der besten Autos seiner Preisklasse. Doch vor einigen Monaten schlich ich mich bei der jährlichen Automobilausstellung in Seattle aus irgendeinem Grund an den Mann am Tesla-Stand heran – und bevor ich mich versah, hatte ich mich auch schon für eine Probefahrt in der darauffolgenden Woche angemeldet.

Ich hatte mich schon ein bisschen in die Technik des Autos eingelesen, sodass mir Tom, der Berater, beim Bummeln durch den Verkehr der Innenstadt von Bellevue nicht sehr viel mitteilen konnte, was ich nicht schon wusste. Dann fuhren wir auf die Interstate 90. „Sieht leer aus“, sagte er. „Warum drückst du nicht ein bisschen aufs Gas?“ Das tat ich. Woraufhin meine Frau und ich gleichzeitig ausriefen „HEILIGE SCH*****!!!“, was er bestimmt öfter zu hören bekommt.

Der Tesla ist ein großes Familienauto mit großer Heckklappe, das fünf Erwachsenen bequem Platz bietet. Es gibt sogar Platz für eine dritte Reihe mit nach hinten gerichteten Kindersitzen. Es sieht wirklich toll und elegant aus, man denkt aber nicht gleich an eine Rakete, wenn man es sieht. Das ist es aber. Durch seinen leistungsstarken Elektromotor geht es ab wie verrückt, es beschleunigt nahtlos mit Direktantrieb und ohne Gangwechsel. Die Power ist sofort da, bei allen Geschwindigkeiten. Das habe ich noch nie erlebt. Habe ich schon erwähnt, dass es einfach wunderschön aussieht?

Mir gefiel einfach alles daran. Innen ist es bequem und ein bisschen exotisch; alle Bedienelemente befinden sich auf einem riesigen Touchscreen, es gibt also keine Zifferblätter oder Schaltflächen. Alles ist übersichtlich, sauber und elegant. Und das Auto zieht. Es will Auslauf, verlangt fast danach, und das bei einer fast unheimlichen Stille. Beim Beschleunigen drückt es die Insassen wie eine unsichtbare Hand in die Sitze zurück. Zwei Hände. Sehr starke Hände.

Und es sieht toll aus.

Also informierte ich mich noch ein bisschen mehr, sah mir Videos an und machte ein paar weitere Probefahrten. Ich sagte mir, dass es keinen Sinn macht, so viel Geld für ein Auto auszugeben, egal welches. Ich kam jedoch nicht mehr los. Die Vorstellung, nie wieder Benzin tanken zu müssen, das Auto einfach in meiner Garage anzustöpseln und jeden Morgen einen vollen „Tank“ zu haben und mehr als 400 km fahren zu können, ohne aufladen zu müssen, begeisterte mich einfach. Ich staunte, wie es möglich war, aus dem Nichts ein Auto ins Leben zu rufen, das praktisch jede Auszeichnung, die es gibt, gewonnen hat. Und ich fand großen Gefallen am kostenlosen Supercharger-Netzwerk, das nur für Teslas aufgebaut wurde und weltweit das schnellste ist. Ein paar Tassen Kaffee und los geht's. Es gab schon Leute, die durch ganz Amerika gefahren sind, dabei ausschließlich Supercharger genutzt haben und keinen einzigen Cent für „Benzin“ ausgegeben und kein Milligramm an Emissionen produziert haben.

Ich fühle mich nicht so befangen wie im Jaguar. Ich weiß jedoch nicht, warum. Vielleicht ist es mein Alter, wer weiß. Vielleicht liegt es an meiner Überzeugung, dass von Menschen produzierte Kohlendioxid-Emissionen heute das Gefährlichste auf der Welt sind. Oder vielleicht bin ich auch einfach nur zu dem maßlosen Arschloch geworden, von dem ich dachte, ich würde es nie werden. In diesem Fall habe ich jedoch kein Problem damit.

Sid Schwab ist ein zu 85 Prozent pensionierter Chirurg, der gerne schreibt.

Dieser Artikel erschien erstmalig auf ReadWave.com.


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