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Bis zum Glacier National Park – und noch viel weiter ...

Bob Kalayjian
30. Oktober 2013

Model-S-Eigentümer Bob Kalayjian unternimmt mit seinem Model S über 15 Tage eine 7.250 Kilometer lange Reise und beschreibt seine Erlebnisse in einem Reisetagebuch.

Die Eröffnung des von Mexiko bis Kanada reichenden Supercharger-Netzwerks an der Westküste diese Woche lässt diesen Artikel vielleicht ein bisschen überholt erscheinen. Wir haben von unserem Wohnort in Long Beach aus sieben Fahrten nach San Francisco und zurück mithilfe von Superchargern unternommen und eine eigene Strategie für zügiges Fahren und schnelles Aufladen entwickelt, die uns ermöglicht, die 645 Kilometer in nur sieben Stunden zurückzulegen. Vergangenen Monat jedoch wollte ich mal runter von der Schnellstraße und ausprobieren, wie sich mein Model S auf Highways fährt, wo nur Lademöglichkeiten mit 220 Volt und 50 Ampere an Wohnmobil-Stellplätzen zur Verfügung stehen. Von Long Beach zum Glacier National Park, weiter nach Lethbridge und Alberta in Kanada, dann zurück über Vancouver, BC, Seattle, Portland und Fremont. In vielen Abschnitten gab es Supercharger, doch ich bin auch viel „über die Dörfer“ gefahren, um kein Elektron zu verschwenden und jede Tagesetappe so angenehm wie möglich zu gestalten.

Ich hatte für unterwegs reserviert und war daher auf der Fahrt durch Nevada, Idaho, Montana, Kanada und das östliche Washington gezwungen, nur mit 50-Ampere-Anschlüssen ein paar Tage nacheinander im Schnitt täglich 645 Kilometer zurückzulegen Im Nachhinein hätte ich bei der Planung lieber Tagesetappen unter 500 Kilometern angesetzt, um komfortabler zu reisen und mir mehr ansehen zu können. Den Wagen für die ersten 400 Kilometer aufzuladen ging ganz einfach über Nacht auf dem Wohnmobil-Stellplatz. Tagsüber dann zusätzlich auf bis zu 250 Kilometer zusätzlich zu kommen, erforderte bei 45 Kilometern pro Ladestunde schon etwas Geduld. Die oberste Devise lautete natürlich: niemals die ausgewiesene Reichweite überschreiten.

Ein typischer Tag auf Nebenstraßen sah so aus: Über Nacht hatte ich in Winnemucca, Nevada aufgeladen. Ich packte Zelt und Schlafsack um 5.30 Uhr zusammen und brach vor der Morgendämmerung ganz leise auf. Mein Weg führte über die Interstate 80 East und die Interstate 93 North nach Arco, Idaho. Ich stellte den Geschwindigkeitsregler auf 55 mph – also knapp 90 km/h – und ließ das Wüstenplateau ruhig an mir vorbeiziehen, während sich der Himmel vor mir langsam aufhellte. Kakteen, Wüstensalbei und niedrige Bergketten nahmen mit der aufgehenden Sonne langsam Konturen an, und nur selten fuhren ein Auto oder Truck vorbei. Ich fuhr die 260 Kilometer bis Wells, Nevada, wo ich meinen ersten Zwischenstopp fürs Aufladen einlegte. Bis dahin hatte nur einmal auf die Bremse getreten: als ich vom Highway abfuhr. Um 9 Uhr war ich wie geplant im Mountain Shadow RV Park angekommen. Ich schloss den Wagen an, nahm eine Dusche, rasierte mich und frühstückte. Dann machte ich den Wagen sauber und räumte ihn auf.

In jedem Wohnmobil-Park stellte man mir viele Fragen zu meinem Model S, und an diesem Morgen war das nicht anders. Ich machte eine kleine Rundfahrt, zeigte den Innenraum, den Frontkofferraum und den 17-Zoll-Bildschirm und erklärte technische Details zur Reichweite und meiner geplanten Route. Bei solchen Gelegenheiten verteilte ich auch ein Informationsblatt mit einem Bild des Antriebs und der Batterie, damit man sich besser vorstellen kann, wie einfach die Mechanik des Model S im Grunde ist. Reisende, hart gesottene Bergleute, Rentner und Berufstätige waren gleichermaßen erstaunt über diese Technologie, die in diesem Teil des Landes noch fast völlig unbekannt ist.

Fünf Stunden später lag die Nennreichweite bei fast 400 Kilometern, meine E-Mails waren beantwortet (die meisten Wohnmobil-Parks haben WLAN), ich hatte bei einem Gespräch mit den Leuten vom Stellplatz auf der Veranda einiges über Wells gelernt und Mittag gegessen. Ich war bereit für den Aufbruch ins 375 Kilometer entfernte Arco in Idaho. Sollte es eng werden, konnte ich auf eine näher als Arco gelegene Lademöglichkeit zurückgreifen. Die Fahrt Richtung Norden nach Idaho führte mich aus der Wüste in die Berge, wo Bäume die Kakteen ablösten. Rinderfarmen und Weideland säumten den Weg, die Flüsse wurden breiter. Obwohl bei dieser Etappe 2.000 Höhenmeter zu erklimmen waren, verlief die Fahrt bei knapp 90 Stundenkilometern und leichtem Rückenwind sehr energieeffizient, wie ein Vergleich der tatsächlich zurückgelegten Kilometer mit der verbrauchten Reichweite ergab. Bei Twin Falls dann stand fest, dass ich die Strecke bis Arco ohne neuerliches Aufladen schaffen würde. Also hielt ich zum Abendessen an und fuhr die letzten paar Kilometer mit 80 Stundenkilometern. So konnte ich die Abendstimmung über den Kratern des Moon National Monuments noch intensiver genießen.

In der Abenddämmerung erreichte ich den Mountain View RV Park, steckte den Stecker ein, aß zu Abend und legte mich schlafen. Das Zelt ständig auf- und abzubauen empfand ich als wenig effizient, also richtete ich das Model S zum Schlafen her. Hinten im Model S auf einer Luftmatratze zu liegen, das Schnattern der Gänse auf einem nahegelegenen See zu hören, über mir der Nachthimmel voller Sterne – das war schon ein Stück vom Paradies. Dabei entdeckte ich obendrein, dass die Wärme des Ladegeräts unter dem Rücksitz mich fast die ganze Nacht hindurch warmhielt. So und nicht anders kann man sich das perfekte Ende eines Tages auf Amerikas Nebenstraßen vorstellen. Gelernt hatte ich an diesem Tag auch, dass die Reichweite des Model S auf Nebenstraßen viel größer ist, als die vom System ausgewiesene Nennreichweite – eher so im Bereich von 450 bis 470 Kilometern. Das würde die täglichen Zwischenstopps zum Aufladen verkürzen.

Nicht alle Wohnmobil-Stellplätze sind gleich ausgestattet. In manchen Wohnmobil-Parks musste ich die Lade-Amperezahl auf 35 A senken, damit die Sicherung nicht abschaltete. In manchen Parks waren die Duschen erstklassig, in anderen waren sie das eher nicht. Manche Parks boten Waschmöglichkeiten oder Lebensmittelgeschäfte. Der beste Park auf meinem Weg war der San-Suz-Ed Montana RV Park mit Bed and Breakfast in West Glacier, wo das Bett mit Frühstück 107 $ kostete und das Aufladen über Nacht 10 $. Er liegt nur wenige Kilometer westlich der Zufahrt zum Glacier National Park und ist damit bestens geeignet für einen mehrtägigen Aufenthalt für Wanderungen zu den Gletschern (solange es sie noch gibt!) und durch diesen wunderschönen Nationalpark.

Mein erstes Ziel war nach dreitägiger Fahrt erreicht. Die nächste Etappe war ein Katzensprung – zum Hotel Prince of Wales auf der kanadischen Seite des Glacier-Naturparks waren es gerade 106 Kilometer: Ein wunderbarer „Slow Drive“ auf einer zweispurigen Landstraße mit dem schönen Namen „Going-to-the-Sun Highway“. Die Route durch den Glacier-Park besteht aus einem stetigen Anstieg zum 1.066 Meter hohen Logan-Pass. Von dort geht es hinab nach Kanada, dann noch etwas nach links und schon hat man das Prince of Wales erreicht. Die Sicht war klar, die Sonne schien – es war eine herrliche Fahrt.

Die einzige Lademöglichkeit beim Prince of Wales bot der nahegelegene Campingplatz: Hier gab es 30-A-Steckdosen, doch mit lediglich 110 Volt. Oh je! Diese vermeintliche Ausweichlösung entpuppte sich häufig als irreführend: Viele Wohnmobil-Parks geben an, 30-Ampere-Steckdosen zu haben, doch ich musste feststellen, dass es sich ausnahmslos um den TT30-Stecker für kleine Wohnwagen handelte, nicht jedoch für große Wohnmobile. Eine Ladegeschwindigkeit von knapp zehn Kilometern Reichweite pro Stunde ist wirklich nur im Notfall eine Option.

Das Prince of Wales wurde 1927 gebaut und gehört zu den klassischen Reisezielen für Zugreisende. Zum Glück war mein nächster Halt die nur 115 Kilometer entfernte University of Lethbridge und ich hatte noch mehr als genug Reichweite, um dorthin zu gelangen. Ich verbrachte die Nacht bei Freunden von der Universität, die für mich das nächtliche Aufladen in einem Wohnmobil-Park arrangiert hatten. Ein wirklich günstiger Zwischenstopp auf halber Strecke auf dem Weg von Calgary nach Glacier fahren – wir planen diese Tour für 2015.

Dr. James Byrne, Professor für Geophysik an der Lethbridge University, hatte eine Podiumsdiskussion zum Thema Bedarf an Ladestationen-Infrastruktur zur Bekämpfung von Klimawandel und globaler Erwärmung organisiert, und ich sollte als „Experte“ für das Fahren mit einem batterieversorgten Elektrofahrzeug in der bestehenden Infrastruktur daran teilnehmen. Bei dieser Gelegenheit zeigte ich das Model S einer sehr interessierten Gruppe an der Universität.

Der Rest der Reise zurück durch den Glacier, dann nach Süden auf die Interstate 90, Richtung Westen zum Supercharger von Burlington und schließlich nach Norden Richtung Vancouver verlief ohne besondere Vorkommnisse, ebenso wie die Rückfahrt nach Süden über Portland, Grants Pass, Redding, Freemont und von dort nach Hause. Die Infrastruktur der Wohnmobil-Parks an den kleineren Landstraßen war mir so vertraut, dass im letzten Teil der Reise praktisch nichts Nennenswertes geschah. Zurück zu Hause wertete ich die Daten aus und das Ergebnis lautet:

15 Tage – 7.226 Kilometer – 1.295 kWh (5,6 Kilometer/kWh) – 14 RV-Parks

Vielleicht ist eine kurze Zusammenfassung meiner wichtigsten unterwegs gewonnenen Erkenntnisse hilfreich:

  • Rufen Sie vor der Abfahrt bei der nächsten geplanten Ladestation an und vergewissern Sie sich, dass ein 50-Ampere-Anschluss verfügbar ist.
  • Überwachen Sie den Ladevorgang und senken Sie gegebenenfalls die Amperezahl.
  • Wenn Sie über Nacht laden und genügend Zeit haben, senken Sie die Ladestärke auf 35 A.
  • Die Nennreichweite bei 90 km/h ist 10 % höher als bei 105 km/h. Bei etwas über 70 km/h ist sie mindestens 20 % höher. Wenn Sie glauben, auf dem Weg zur nächsten Lademöglichkeit könnte es eng werden, fahren Sie langsamer.
  • Gebirgspässe sind kein Problem, denn auf dem Weg nach unten werden 90 % der Ladung zurückgewonnen. Bedenken Sie jedoch, dass ein Netto-Höhenunterschied zwischen zwei Ladepunkten von pro 300 gewonnenen Höhenmetern etwa 16 Kilometer Reichweite „kostet“. Natürlich bekommen wir für jeweils gut 300 Höhenmeter bergab etwa 14,5 Kilometer Reichweite zurück.

Ich habe auf dieser Fahrt meine liebsten Wohnmobil-Parks ausfindig gemacht und weiß, dass wir sie eines Tages sehr wahrscheinlich wieder anfahren werden, aber ein Führer zu „elektroauto-freundlichen“ Wohnmobilstellplätzen wäre eine tolle Sache. Wenn erst mehr Hotels und Motels Anschlüsse mit 220 V/50 A zur Verfügung stellen wird das nächtliche Aufladen komfortabler. Das ist eine schöne Sache – doch ich werde die Übernachtungen hinten in meinem Model S wirklich vermissen.

Hoffentlich regt dieses Tagebuch über meine Reise auf der Slow Road – den Landstraßen Nordamerikas – viele Leser dazu an, die Gegenden abseits der Supercharger-Schnellstraßen zu erkunden. Auch wenn die Supercharger einmal flächendeckend eingeführt sind, wird das gelegentliche Aufladen auf Wohnmobil-Stellplätzen sicher eine Option bleiben, wenn man die herrlichen Naturwunder und abgelegenen Städte Nordamerikas sehen will.

Zum Abschluss möchte ich Elon Musk und dem gesamten Team von Tesla Motors für die Entwicklung und die Unterstützung dieses großartigen Autos danken, mit dem man rundum komfortabel und mit optimaler CO2-Bilanz so weit kommt.

Bob Kalayjian


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